Ein Commit, 60 Sekunden, live — warum ich WordPress nie vermissen werde
Wie ich meine Website in einem Tag von WordPress auf Astro migriert habe — und was das über eine neue Art der Mensch-Maschine-Kollaboration lehrt.
Vor drei Jahren hatte ich eine Idee: ein eigenes Label, eine eigene Stimme im Netz. neodya entstand aus einer Diskussion mit einer KI — und landete bei IONOS auf WordPress. Schnell aufgebaut, schnell online. Gut genug.
Gut genug. Das ist bekanntlich der Feind von besser.
Der Moment, wo es reicht
WordPress funktioniert. Das ist das Problem.
Es funktioniert, bis man die E-Mails über Plugin-Updates nicht mehr öffnet. Bis der Hinweis auf Sicherheitslücken zur Hintergrundmusik wird. Bis man die eigene Seite besucht und fünf Minuten sucht, wo man eigentlich klicken muss.
Ich wollte keine Plattform mehr verwalten. Ich wollte schreiben.
Und ich wollte etwas zurück, das ich aus den frühen Tagen kannte: das Gefühl, das eigene Ding wirklich zu verstehen. HTML, CGI, direkte Kontrolle. Das Web bevor es kompliziert wurde.
Was mich zu Astro geführt hat
Der eigentliche Auslöser war kein Webseiten-Projekt. Es war meine Signaldatenbank — ein Projekt das ich mit Claude Coworker entwickelt hatte. Ich hatte Blut geleckt. Ich wollte Claude Code ausprobieren, und brauchte ein Projekt das nicht produktionskritisch war.
Meine Anforderungen waren klar:
- Statisch — kein PHP, keine Datenbank, keine Angriffsfläche
- Markdown-First — Blog-Posts als einfache Textdateien, editierbar in iA Writer
- Geschwindigkeit — statische HTML-Dateien, kein Server-Rendering
In einem einzigen Dialog war die Entscheidung gefallen. Claude schlug Astro vor. Ich sagte ja.
Der Stack
Was am Ende steht, ist schlank und präzise:
- Astro 6 — Static Site Generator
- GitHub — Versionskontrolle, jede Änderung nachvollziehbar
- IONOS Deploy Now — Commit → 60 Sekunden → live
- iA Writer — Schreiben in purem Markdown
- VS Code + Claude Code — für alles Technische
- Affinity Designer — Logo und Icons
Die eigentliche Innovation: drei Gehirnhälften
Was mich bei diesem Projekt am meisten überrascht hat, war nicht die Technologie. Es war die Arbeitsaufteilung.
Wir haben die Rollen klar definiert — und das hat perfekt funktioniert:
- Ich — kreativer Geist, Architekt, Reiseziel
- Claude Chat — Bauleiter, Planer, Kontext-Gedächtnis
- Claude Code — ausführendes Organ, Bauarbeiter
- Claude Cowork — Sandbox für Experimente
Jedem sein Talent. Ich habe mit drei Gehirnhälften gearbeitet: links, rechts, KI.
Was mitgenommen wurde — und was wegfällt
Mitgenommen
- 3 Blog-Posts aus WordPress exportiert (XML → Markdown, automatisch)
- Alle Bilder mitexportiert
- Impressum und Datenschutz übertragen
Neu gebaut
- Komplettes Design — eigenes Logo, eigener Stil
- 3-Spalten Blog-Layout: Kategorien / Content / Inhaltsverzeichnis
- Dark/Light Mode mit Theme-Toggle
Für immer weg
- Keine Plugins mehr
- Keine Datenbank
- Keine Sicherheitsupdates
- Keine monatliche Wartungsangst
Was ich unterschätzt hatte
Es gibt sie immer, die kleinen Stolpersteine. Bei mir waren es:
- Git-Konflikte beim ersten Push
- Bildgrössen und HTTP-Limits
- Token-Limits bei langen Sessions
- Astro hatte automatisch aus meinen Chatverläufen Test-Blogs erstellt — das Aufräumen hat etwas gedauert
- Den lokalen Dev-Server ans Laufen zu bekommen war kurz frustrierend. Definitiv ein Problem zwischen Stuhl und Tastatur.
Das Ergebnis
Ladezeit: Kein dramatischer Unterschied — die Seite ist klein. Aber das Gefühl ist ein anderes.
Workflow: iA Writer → git push → 60 Sekunden live. Das passt zu mir. Kein Dashboard, kein Login, kein Suchen.
Kosten: +4 Euro monatlich für IONOS Deploy Now. Das ist der einzige Aufpreis.
Gefühl: Konkret durchzuarbeiten, was mit einem KI-Assistenten in kurzer Zeit möglich ist — das war eine neue Erfahrung. Nicht Delegation. Nicht Automatisierung. Kollaboration.
Fazit
Nachahmung empfohlen — für Geeks, für alle die Claude Code testen wollen, für WordPress-Geplagte, und für alle Lifelong Learner die gerne mal die Hände dreckig machen.
Nachahmung nicht empfohlen — für alle die keine Zeit für Re-Architektur haben, für die „Hauptsache es läuft“-Community, und für echte WordPress-Experten die ihr System lieben.
Der Rest von uns: ein Commit, 60 Sekunden, live.